Drei Tage durften wir unser Kooperationstierheim in Karcag, im Osten von Ungarn,
besuchen – drei Tage voller Emotionen, Eindrücke und Begegnungen, die uns tief bewegt
haben.
Unser Ziel dieser Reise war es, die Hunde vor Ort kennenzulernen, zu sehen, welche
Hunde wir zusätzlich in unsere Vermittlung aufnehmen können, und gemeinsam mit dem
Team zu besprechen, wie wir mit euren Spenden noch gezielter helfen können.
Mindestens genauso wichtig war es uns aber, endlich wieder Zeit mit den Menschen zu
verbringen, die sich dort tagtäglich mit unfassbarem Herzblut um rund 200 Hunde
kümmern.
Karcag – eine Region am Rand der Gesellschaft
Karcag gehört zu den ärmsten Regionen Ungarns. Armut prägt den Alltag, viele
gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Probleme sind allgegenwärtig. Die Region
ist stark von einfachen Lebensverhältnissen geprägt, es gibt viele Roma-Siedlungen, und
leider auch unzählige Straßenhunde. Vermüllte Straßen, sich selbst überlassene Tiere und
kaum funktionierende Kastrationsprojekte gehören hier zum Alltag – oft fehlt das
Verständnis für deren Notwendigkeit.
Einblick in den Tierheimalltag
Der Alltag im Tierheim beginnt jeden Morgen um 08:00 Uhr mit fünf Mitarbeitern. Als erstes
wird ein Rundgang gemacht: Leben noch alle Hunde? Hat sich jemand über Nacht
verletzt?
Danach dürfen die sogenannten Boxenhunde – Hunde, die in sehr kleinen Boxen leben
müssen – nacheinander für etwa fünf Minuten in den Freilauf. In dieser kurzen Zeit werden
die Boxen gereinigt, bevor die Hunde für den Rest des Tages wieder zurückmüssen.
Parallel dazu wird das Futter vorbereitet. Die Mitarbeiter kochen aus Supermarktspenden
und Resten eine warme Mahlzeit – für viele Hunde das einzige Highlight ihres Tages.
Gerade im Winter ist diese zusätzliche Energie überlebenswichtig, denn etwa 90 % der
Zwinger befinden sich draußen.
Zusätzlich werden am Morgen alle Zwinger gereinigt, frisches Wasser verteilt und jeder
Hund bekommt – wenn es gut läuft – etwa zwei Minuten Aufmerksamkeit. Mehr lässt die
Zeit kaum zu. Um 14:00 Uhr wird das Futter ausgegeben, danach kehrt Ruhe ein.
Besucher und Mitarbeiter ziehen sich zurück, damit die Hunde nach dem Essen nicht zu
aufgeregt sind.
Tag 1 – Ankommen und Verarbeiten
Sandra und ich (Christina) haben uns am ersten Tag das komplette Tierheim angeschaut.
Das Gelände, die Gebäude und die gesamte Infrastruktur sind leider stark marode –
dieser Anblick musste erst einmal verarbeitet werden.
Trotzdem haben wir uns bewusst Zeit genommen, die Hunde zu begrüßen, insbesondere
jene, die bereits in unserer Vermittlung sind. Wir konnten erste Fotos machen und
begannen, Hunde auszuwählen, die wir neu in die Vermittlung aufnehmen möchten.
Tag 2 – Begegnungen, die bleiben
Am zweiten Tag kümmerten wir uns intensiv um den Auslauf der Boxenhunde. Dabei
handelt es sich oft um kleinere, alte oder kranke Hunde. Wir nutzten jede Minute, um
Fotos zu machen – und konnten so Hunde wie Füge, Cody und Alizeneu in unsere
Vermittlung aufnehmen.
Zusätzlich lernten wir mehrere neue Hunde persönlich kennen, darunter Rusty, Jericho
und Kapitany. Jeder einzelne von ihnen entpuppte sich als absoluter Goldschatz – sanft,
freundlich, voller Hoffnung. Natürlich durften auch sie mit in die Vermittlung.
Tag 3 – Hoffnung schenken
Am letzten Tag blieben uns noch ein paar Stunden, die wir den Hunden widmeten,
die bereits auf ein Zuhause warten. Durch Videos und Live-Postings konnten wir euch die
Hunde „in echt“ zeigen – eure Resonanz war überwältigend.
Besonders berührend war die Entwicklung unseres Sorgenkinds Soy, die mit dem
Tierheimalltag völlig überfordert ist. Für sie konnten wir ein Zuhause finden. Auch Toto,
Robi und Toboz durften direkt vermittelt werden. Solche Momente geben Kraft – und
machen all die Anstrengung mehr als wett.
Unser Fazit
So anstrengend diese drei Tage auch waren – voller Eindrücke, Emotionen und Bilder, die
man nicht einfach abschüttelt – sie haben uns einmal mehr in unserer Arbeit bestätigt. Wir
sind erschöpft, aber voller Energie zurückgekommen.
Denn eines ist sicher: In diesem Tierheim sitzen viel zu viele Hunde, die ein solches Leben
nicht verdient haben. Sie sind herzensgut, sehnen sich nach Nähe, Liebe und
Zugehörigkeit.
Lasst uns gemeinsam so vielen von ihnen wie möglich eine Zukunft schenken.
