Reisetagebuch Tordas Zoo – ENDE


Endlich in Tordas Zoo! Endlich ein freier Tag, um die bisherigen Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Selina, unsere Hunde und ich ruhen heute aus, während Krisztina Fedak und die Tierpfleger arbeiten. Bei ihnen ist volles Programm, wie jeden Tag. Fast stehen wir ein wenig im Weg, während wir unseren Rundgang durch die Station machen.

Auf den ersten Blick wirkt alles sehr idyllisch und positiv. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass auch dieser fantastische Gnadenhof von der Hand in den Mund lebt. Die Zäune sind alle geflickt, das Stroh für die vielen Herdentiere liegt ungeschützt im Freien und die Zwinger haben keine abwaschbare Wand. In der tierärztlichen Abteilung gibt es keine Klimaanlage, weder im Behandlungsraum, noch im OP- oder Aufwachraum. Auch die Quarantänestation mit ihren kränkelnden Bewohnern ist ungeschützt Hitze und Kälte ausgesetzt. Was könnten wir alles für die Tiere tun, wenn wir einmal im Lotto gewinnen würden…

Mir wird klar, dass kurz- und mittelfristig große Investitionen auf uns zukommen. Im Januar haben wir erfolgreich Spenden gesammelt, um das undichte Dach über einem der Ställe abzudichten. Nicht auszudenken, wenn es dort noch immer hineinregnen würde. Aber wie es so ist im Tierschutz – ein Loch ist gestopft, da geht das Nächste schon wieder auf.

Ein befreundeter Unternehmer sammelt Solarmodule für uns, die nicht einwandfrei sind, aber funktionieren. Mangelware sozusagen. Allemal gut genug für uns! Sachspenden dieser Art nehmen wir mit Kusshand. Unser Plan ist, diese Module vor dem kommenden Winter auf einem der Stalldächer zu montieren. Mit dem gewonnenen Strom könnten wir dann die Quarantänestation und den tierärztlichen Bereich selbst heizen. Damit würden die Haltebedingungen für unsere Schützlinge erheblich verbessert und die Schwachen und Kranken hätten es leichter im Kampf ums Überleben.

Während wir in die vielen Ställe und Zwinger schauen, finden wir ein Lämmchen, das wenige Tage vor unserer Ankunft im Wald entdeckt wurde. Uns wird erklärt, dass es um sein Leben kämpft. Wir beten, dass sie es schaffen wird. In einem anderen Raum ist eine Katze mit Jungen. Es sind allerdings nicht ihre eigenen, sondern die Kitten einer anderen Katze, die mit Kaiserschnitt entbunden wurde. Leider wollte sie von ihren Babies nichts wissen und nun werden die kleinen Wesen einer Katze zugelegt, die vor kurzem Junge bekommen hat. Auch hier können wir nur hoffen, dass diese vier Kitten es schaffen. Katzenmilch ist in Tordas Zoo genauso Mangelware wie Welpenmilch, es bleiben also nicht viele Alternativen.

Spät Abends hat Krisztina endlich Zeit für uns. Bei einem gemeinsamen Abendessen erzählt sie von ihren Sorgen, dem Druck und der Verantwortung, die auf ihr Lasten. Wir besprechen mögliche Projekte und wie das Paradies für Tiere sie am besten unterstützen kann.

Am Montagmorgen suchen wir Hündin Buksi auf. Sie ist eines unserer Sorgenkinder. Gemeinsam machen wir einen großen Spaziergang mit Buksi. Sie ist, ähnlich wie es Nick der Schäferhund war, sehr gestresst vom Leben auf der Station. Sie ist wirklich mager, hat eine Hautkrankheit, die mühsam behandelt wird, möglicherweise HD und verträgt sich nicht mit anderen Hunden. Buksi ist noch so jung, ich bin mir sicher, dass sie bei den richtigen Menschen endlich runterfahren und gesund werden könnte. Nick der Schäferhund ist heute das blühende Leben. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, was ein liebevoller Umgang, Fürsorge und Sicherheit aus einem Häufchen Hundeelend machen könne.

Zwischendurch geht es immer mal wieder zu Tünde, unserem kleinen Findling mit dem operierten Oberschenkelbruch. Weil sie nicht gegen Parvo und Staupe geimpft ist und zudem noch eine infizierte Bisswunde hat, muss die kleine Fellnasen mit den wunderschönen Augen in Quarantäne bleiben. Beruhigend zu wissen, dass sie bei Krisztina in guten Händen ist. Den Rest des Tages verbringen wir mit den Hunden. Wir machen Fotos, verteilen Streicheleinheiten und gehen mit so vielen Hunden wie möglich spazieren.

Am Dienstag brechen wir früher als geplant zur Rückreise auf, da es regnet und wir keine Fotos machen können. Also ein letztes Mal die Taschen in das Auto gepackt und dann Mia, Luna und die kleine Matild in die Hundeboxen gesetzt. Der süße Wuschelkopf Trick muss leider in Tordas Zoo zurück bleiben, weil in letzter Minute die Pflegestelle für ihn abgesprungen ist.

Ohne irgendwelche Zwischenfälle fahren wir bis nach Salzburg, wo die kleine Mia aussteigt und ihren Adoptanten übergeben wird. Mach es gut kleine Maus! Von Salzburg geht es nach München, wo ich mich von meiner fleißigen Begleiterin Selina verabschiede. Danke für die nette Gesellschaft und die Unterstützung! Nach über neun Stunden Autofahrt und vielen Rastpausen für die Hunde komme ich endlich wieder zu Hause an.

Obwohl die Fahrt lange und anstrengend war, kann ich nicht einschlafen. Die Ereignisse der vergangenen Tage gehen mir durch den Kopf, die vielen Hunde, die Armut, der Hunger, die Rohheit im Umgang mit Tieren. Devil, Figaro, Kira und die kleine Hündin, die wir in Kunhegyes aus den Büschen gezogen haben… das Schicksal unserer vielen Schützlinge bricht mir das Herz. Doch ich gebe nicht auf! Weil ich das Privileg habe, das allerbeste Team im Rücken zu wissen. Die persönliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Menschen, die viele Stunden ihrer Freizeit opfern, um den Streunern Ungarns zu helfen, erfüllt mich immer wieder mit Glück. Weil das Paradies für Tiere das Privileg hat aktive Freunde und Helfer, sowie großzügige Unterstützer zu haben. Weil Tierschutz Erziehung zur Menschlichkeit ist.

Und weil es keine Alternative gibt.
Eure Iris