Reisetagebuch Kunhegyes 06.Mai 2016


Es gibt noch viel zu tun in Kunhegyes!

Unser letzter Tag vor Ort und es gilt die vielen Gedanken in Worte zu fassen. Mit gemischten Gefühlen reisen wir morgen ab. Wir haben schon vieles erreicht und doch gibt es noch so viel mehr zu tun.

Auch heute machen wir uns gleich an die Reinigung der Zwinger, unser Ziel ist es, alle tip top sauber und hygienisch zu verlassen. Also wieder eine Extrarunde Auslauf für die glückliche Fellnase, deren Zwinger an der Reihe ist. Der „Zellennachbar“ zieht ebenfalls um, die Geräusche des Hochdruckreinigers und das viele Wasser verschrecken die meisten Hunde. Wir stellen kleine Hunderudel aus 2-3 Hunden zusammen, so bekommen die Tiere ein wenig wohlverdiente Gesellschaft. Wie schön, den Dreck abzurinnen sehen. Meine Fellnasen zuhause lieben es, sich auf frisch gewaschene Decken und Kissen zu kuscheln. Ich bin mir sicher, unsere Schützlinge in Kunhegyes freuen sich ebenfalls in sauberen Zwinger zu leben.

Selina macht weiterhin Fotos um in Bilder zu fassen, was Worte nicht annähernd beschreiben können. Die Schönheit und Anmut der umher tollenden Hunde im Auslauf, der Blick einer Fellnase, der einem direkt ins Herz geht. So viel Lebensfreude inmitten von zerfallenen Zäunen, rostigen Gittern und bitterer Armut. Welch eine gewaltige Veränderung, wenn eine dieser Fellnasen auf die große Reise geht und nach vielen Stunden Fahrt ihrem Zweibeiner übergeben wird. Eine andere Welt, ein neues Leben, das muss erst einmal verdaut werden. Es ist schön zu beobachten wie sehr die Hunde der Station an Tierpfleger Feco hängen. Auch Tünde, die zuhause ihren Beinbruch auskuriert, liebt unsere Hunde und wird von ihnen geliebt.

Mit dem Hochdruckreiniger in der Hand denke ich an unsere Langzeitinsassen auf den Stationen, die Mischlinge mit Kampfhund-Anteil, die Senioren, die Hunde mit kleineren und größeren Verhaltensauffälligkeiten, die meist viele Jahre warten müssen, bis auch sie vom Transporter mitgenommen werden. Endlich ein Mensch, der bereit ist Zeit, Mühe, Training und vor allem Geduld zu investieren. Jemand, der sich offen und vorbehaltlos auf diese eine spezielle Fellnase einlässt, wohlwissend, dass es dort ein großes Minus auf dem Konto für Vertrauen und Sicherheit gibt. Und der oder die bereit ist in dieses Konto einzuzahlen, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche. Solange, bis die Hundeseele wieder ausbalanciert ist.

Die für Mai geplante Kastrationsaktion wird mit Dr. Vörös besprochen. Mit Beginn nächster Woche wird Stationsleiterin Mesi Aushänge in Kunhegyes und Umgebung machen. Eure Spenden reichen bisher für 11 Hunde. Ein toller Anfang, aber leider nicht genug! Ich denke an das Versprechen der Firma Bosch, die 1000 Euro für Kastrationen beisteuert, wenn die drei Vereine der Futter- und Kastrationsaktion bis Montag um Mitternacht gemeinsam 500 Futterpakete gespendet bekommen. Das wären 20 Hunde mehr, die keinen Nachwuchs in diese harsche Welt setzen könnten. Bitte erzählt jedem von der Aktion, damit wir das erste Etappenziel erreichen und das Kastrationsgeld erhalten!

Während ich dem rinnenden Wasser zusehe, fällt mir der viele Rattenkot auf. Wegen der großen Müllhalde nebenan befinden sich ständig Ratten auf dem Gelände. Ab dem frühen Nachmittag sehe ich sie durch die Station huschen. Und frühmorgens finden sich ihre Hinterlassenschaften überall verteilt. Aufgrund der Hunde können wir kein Rattengift auslegen, zu groß ist das Risiko, dass eine Fellnase das Gift fressen könnte. Es muss dringend eine Lösung her um auch größere Mengen Futter sicher einzulagern und die Halsbänder, Kleidung, Decken und Gerätschaften, inklusive die wichtigen Wasserschläuche, vor den Nagern zu schützen. Deswegen möchte ich heute noch einmal eine Wunschliste veröffentlichen. Es ist immer wieder wunderschön zu erleben, wie die vielen kleine und große Gaben aller unserer Freunde und Unterstützer die Lebenssituation der Hunde in Kunhegyes verbessern. Gemeinsam sind wir stark!

Tag drei unserer Stippvisite. Selina und ich sind ziemlich fertig. Diese Arbeit und diese Aufgabe belasten physisch und psychisch. Wie es uns wohl nach einem Jahr ginge? Hut ab vor der Leistung der Tierschützer und Helfer vor Ort! Wir räumen unsere Siebensachen zusammen und sagen den Zwei- und Vierbeinern der Station ein letztes Auf Wiedersehen, während mein Rudel und unser kleiner Notfall Tünde geduldig im Auto warten.

Zum Abschluss dieser spannenden Reise fahren wir an den Tisza See. Ausflugzeit. Während wir unseren glücklichen Hunden beim Spielen und Planschen zusehen merke ich, wie eine große Last von mir abfällt. Alles wird gut.

Seid umarmt!

Iris und Selina

Wunschliste Kunhegyes

      • Viele verschließbare Stahlschränke
      • Handdesinfektion
      • noch mehr Hundewannen zum Schlafen
      • Hundespielzeug in Form von geflochtenen, robusten Seilen (werden oft für Zerrspiele benutzt). Wenn die Hunde diese zerbeißen, essen sie bestenfalls ein wenig Stoff.
      • Einen Schreiner der uns einen neuen Zaun um die Station zieht.
      • Einen Kemptner der für uns ein Hundewaschbecken, ähnlich wie das Spülbecken einer Großküche, montieren kann.

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