Notfelle


Unsere Schützlinge sind jung oder alt, klein oder groß, frech oder ängstlich, einfach auf der Suche nach einem Zuhause oder sogar akute Notfelle. Was aber macht aus einem ehemaligen Straßen- oder Kettenhund, der bei uns Schutz gefunden hat, ein Notfell?

Die Gründe sind vielfältig. Manche Fellnasen trifft es einfach besonders hart. Sie sind schwer traumatisiert und leiden auf der Station, im Zwinger, ohne ausgiebigen, persönlichen Zuspruch und unbegrenzte Streicheleinheiten. Andere haben körperliche Wunden und/oder Krankheiten, die der Ruhe und Fürsorge eines richtigen Zuhauses bedürfen, um zu heilen. Manche Rassen leiden besonders unter der Zwingerhaltung auf der Station; Schäferhunde sind zum Beispiel typische Kandidaten für einen Zwingerkoller. Und manchmal – man glaubt es kaum – wird ein Hund einfach „bestellt und nicht abgeholt“. Das heißt, das Tier ist nach dem ganzen formalen Prozedere nach Deutschland gereist und wird dort nicht in Empfang genommen. Oder auch schon einmal innerhalb eines Tages wieder zurückgebracht. Trotz gründlicher Vorkontrollen kann man niemanden in den Kopf schauen und so werden wir immer mal wieder böse überrascht.

Es gibt nichts, was es nicht gibt, und als Tierschützer braucht man nicht nur jede Menge Geduld und starke Nerven, auch Improvisationstalent ist gefragt. Und für unsere Notfelle legen wir uns nochmal extra ins Zeug, um auch diesen Hunden ein besseres Leben zu ermöglichen. Heute möchten wir deswegen den kleinen Marvin und den großen Dante vorstellen.

Gnadenplatz für Marvin gesucht

Marvin kam im Frühjahr 2016 auf die Station. Seine Vorgeschichte ist unbekannt. Wie viele der Fellnasen, die in die Stationen kommen, ist auch Marvin eher schlecht sozialisiert, dass heißt er kennt die Regeln des Zusammenleben von Mensch und Hund nicht. Der Dackel-Kuvasz Mix ist ein fröhlicher, kleiner Kerl, der Menschen mag und sich gut mit seinen Artgenossen verträgt. Marvin hat seinen eigenen Kopf und braucht einen Menschen, der sich nicht um den kleinen Finger wickeln läßt. Soweit, so gut. Aber warum ist Marvin dann in einem Beitrag für Notfelle?

Seit Oktober 2016 ist Marvin in einer Pflegestelle in Deutschland. Dort hat er schon einiges gelernt. Vor allem aber wurde eine Schilddrüsenfehlfunktion bei ihm festgestellt, die durch tägliche Tablettengabe gut eingestellt ist. Die Lebenssituation der Pflegestelle hat sich leider sehr verändert und Marvin kann nicht mehr ausreichend beschäftigt werden. So verbringt er seit einiger Zeit seinen Tag weitgehend im Garten und langweilt sich. Eigentlich hat er noch so viel zu lernen und ist mit Eifer bei der Sache, wenn man sich ihm widmet. Zusätzlich fiel bei einem Kontrollbesuch auf, dass er seine Hinterläufe nicht richtig benutzt, Nun wird der kleine Kerl untersucht werden müssen, um die Ursache zu finden und ihn zu behandeln.

In der Summe macht das aus dieser zauberhaften Fellnase ein Notfell. Denn neben Streicheleinheiten und Spaziergängen braucht Marvin noch jede Menge Training, also einen Menschen mit Zeit. Zudem ist er zwar im besten Alter, aber hat neben einer gut eingestellten Erkrankung zusätzlich das undiagnostizierte Problem mit den Hinterläufen. Trotz dieser Defizite sind wir sicher, dass auch dieser Topf irgendwo seinen Deckel hat. Wir müssen ihn nur finden. Idealerweise ist es ein Deckel mit barrierefreier Wohnung, einem großen Herz und der Bereitschaft, einem charmanten Topf mit kleinen Macken ein liebevolles Zuhause zu geben. Marvin sollte so bald wie möglich umziehen, weswegen auch eine Pflegestelle mit oder ohne Übernahmeoption in Frage kommt.



Dante – auch ein Fall für die Notfelle

Dante ist ein wunderschöner Husky-Rüde, der seinen Für-immer-Menschen sucht. Er wurde von Tierschützern aus Italien nach Deutschland vermittelt und kam hier erst einmal bei unserer ehrenamtlichen Helferin Sigrid unter. Zwei Tage später sollte er von dieser Kurzzeit-Pflegestelle an seinen Menschen übergeben werden. Nur tauchte der leider nicht auf!

Weil Dante ein ungeschliffener Rohdiamant ist, hatte Sigrid ihre eigenen Hunde vorübergehend bei Oma und Opa einquartiert. Nun drängte die Zeit und eine dauerhafte Pflegestelle wurde gesucht und gefunden. Nach einigen Stunden Autofahrt zu dieser Pflegestelle wurde Dante dort recht ruppig in Empfang genommen. Als Sigrid dies ansprach, wurde ihr beschieden, der Hund solle gleich lernen, wer das Sagen habe. Keine 10 Minuten später fuhr Sigrid zurück nach Hause, natürlich MIT Dante im Schlepptau.

Laut Sigrid ist Dante sehr bemüht alles richtig zu machen. Er kann in für ihn unbekannten Situationen oder wenn er verunsichert wird schnappen, geht aber nicht aggressiv in die Auseinandersetzung. Sigrid und ihre Tochter sind viel unterwegs mit Dante und lassen ihn an der Schleppleine laufen. Vor allem aber wird er akzeptiert und geliebt wie er ist, was diese Fellnase innerhalb weniger Tage ausbalanciert hat. Dante ist viel ruhiger, zutraulicher und sicherer geworden und das in noch nicht einmal einer Woche! Im Volksmund heißt es so schön „Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks*. Jeder der mit Hunden arbeitet oder einen erwachsenen Hund aus dem Tierschutz adoptiert hat weiß, dass das überhaupt nicht stimmt. Und Notfell Dante ist ein schönes Beispiel dafür.

Dante hat sehr wahrscheinlich Zughunderfahrung und wäre sicher ein prima Mitläufer auf ausgedehnten Joggingrunden. Wer hat Lust sich auf diese wunderschöne, eigenwillige Fellnase einzulassen und ihr Herz zu erobern?