Happy End für Feli


Hallo,

ich bin Feli und wurde in Rumänien geboren. Wann das war, weiß keiner so genau, aber es wird wohl im November 2013 gewesen sein.

Es sind da  viele Dinge passiert, die ihr gar nicht wissen möchtet und die ich auch gerne vergessen würde. Nur so viel, es gibt schon schreckliche Zweibeiner und die bezeichnen sich auch noch als Menschen! Mein Lebens- und Leidensweg war damit vorgezeichnet und ich versuchte mich irgendwie durchzuschlagen.

Eines Tages ist es dann doch passiert, man hat mich eingefangen und in ein Tierheim gesteckt. Man nennt das auch Shelter und es wurde von Tierschützern aus Deutschland unterstützt. Es war vermutlich besser, ansonsten wäre ich vielleicht auf der Straße gestorben, aber die Zeit im Tierheim in Rumänien ist auch nicht besonders schön gewesen. Es waren da viele Hunde aller Größen, Rassen und in oft in noch erbärmlicherem Zustand. Als sensibles, ängstliches Wesen war es der Horror für mich.

Zum Glück sind Tierfreunde auf mich aufmerksam geworden, obwohl ich mich immer verkrochen habe und eigentlich nichts wissen wollte. Sie haben mich in eine Transportbox gesteckt und nach einer langen Fahrt, voller Angst, ich wusste ja nicht, dass die nur Gutes mit mir vor hatten, kam ich nach Deutschland. Ich war so etwa ein halbes Jahr alt und konnte noch nicht einschätzen, dass das vielleicht meine Rettung war.

Im Tierheim auf der schwäbischen Alb wurde ich untersucht und versorgt, mein großes seelisches Leiden blieb aber unentdeckt. Ich bekam zu essen und trinken, es war auch ruhiger, aber mein Vertrauen in die Zweibeiner war so gestört, dass ich mich immer mehr verkroch und wenn einer an meinen Zwinger kam, war ich ruck zuck weg! Irgendwann kam auch noch ein anderer Hund zu mir in den Zwinger, der war viel selbstbewusster als ich und immer sofort  am Zaun, sobald sich jemand genähert hat. Ich habe ihn immer bewundert und mich durch ihn sicher und geschützt gefühlt.

Fast 3 Jahre sind vergangen und kaum einer wurde auf mich aufmerksam. Mir war es recht und ich hatte mich mit meinem Schicksal bereits abgefunden, als eines Tages eine Tierschützerin bei uns auftauchte und meinen Zwingerkollegen mitnehmen wollte. Ich nahm allen Mut zusammen, habe mich gezeigt und mit meinen schönen Augen nach ihr geblickt. Sie konnte nicht anders und hat uns beide mitgenommen. Von da an lebte ich in einer richtigen Wohnung für Zweibeiner, mit anderen Hunden und Katzen. Für mich war das zuerst auch wieder ein große Umstellung. Ich war in einer sogenannten Pflegefamilie als Pflegehund angekommen. In dem Rudel war auch viel los, aber irgendwie hatten alle ihren Spaß und ich begann es zu mögen. Die Tierschützerin hieß Iris und hat jeden von uns super versorgt und auch immer darauf geachtet, dass im Rudel als stimmte. So lernte ich, dass es auch Zweibeiner gibt die richtig toll sind, uns Hunde verstehen und rücksichtsvoll mit uns umgehen. Aber mit dem Vertrauen in die Zweibeiner ist es noch so eine Sache, es braucht halt wirklich viel Zeit.

 

 

Irgendwann wurde mir klar, dass es eine Unterschied gibt, ob man fest in ein Rudel bei den Zweibeinern gehört oder dort als Pflegehund ist. Für den Pflegehund wird ein Platz bei anderen Zweibeinern gesucht und da wird dann genau geprüft, ob das wirklich passt.

Bei mir hat dann das Schicksal wieder zugeschlagen. Ein Platz war gefunden und alle meinten, das ist so in Ordnung. Aber dann war ich dort, hatte wahnsinniges Heimweh nach meinem Rudel und mir genügte ein Spalt in der Tür und weg war ich. Ich wusste nicht wohin, einfach nur weg! Dass ich damit viel Sorge und Leid verursacht habe wusste ich nicht und tut mir heute auch leid. Es begann ein große Suchaktion nach mir, an der sich auch mein liebes Pflegefrauchen Iris beteiligt hat. Als ich sie erkannt habe, kam ich aus meinem Versteck und zeigte mich. Alle waren glücklich, dass ich unbeschadet wieder da war. Ich wollte einfach nur wieder zurück zum Rudel in die Pflegefamilie. Die Zweibeiner haben sich beraten und zum Glück beschlossen, dass es wohl besser ist, wenn ich wieder mit zurückkomme.

Alles war wie vorher, ich die sensible, zarte und ängstliche Seele war wieder im Rudel angekommen. Dann kam der Tag, an dem wir auf den Wiesen am Neckar unterwegs waren. Das ganze Rudel war unterwegs und plötzlich näherten sich zwei Zweibeiner die eine laufenden Flokati-Teppich dabei hatten. Sofort ging es mit Gebell auf die „Eindringlinge“ zu, die sich aber in keinster Weise von uns beeindruckt fühlten. Der Flokati-Teppich stellte sich als Bearded Colli heraus, der auch schon etwas in die Tage gekommen war. Am Fuß hatte die Hündin einen Verband, das machte aber nichts aus, weil unsere Truppe ja teilweise ebenfalls aus Handicap-Hunden besteht. Einer ist taub, der andere hat nur 3 Beine und der dritte ist mit dem Rollwagen unterwegs, weil er gelähmt ist. Jedenfalls hat uns, außer der Hündin, keiner so richtig beachtet, sondern sich nur mit unserem Pflegefrauchen unterhalten.

Ich wurde dann doch etwas neugierig, weil immer wieder mein Name genannt wurde. Ab und zu habe ich an den Zweibeinern mal vorsichtig geschnuppert, so unsympathisch waren die gar nicht! Es gab dann sogar ein Leckerli und der laufende Flokati-Teppich war auch da, nicht aufdringlich, irgendwie gleichgültig unaufgeregt, also ganz locker. Auf dem Rückweg durfte die Kleine der Zweibeiner, ich nenne sie mal „Hundefreundin“, mich sogar an der Leine führen. Das hat sie gut gemacht, sie war ganz sanft und immer darauf bedacht, mir keine Angst zu machen. Für mich war das alles sehr spannend und aufregend. Als ich dann später im Auto, in der Box bei meinem Hundekumpel saß war ich irgendwie erleichtert. In meinem hübschen kleinen Kopf sind aber die Gedanken durcheinander gerast. Was war das jetzt, was passierte da gerade? Eine etwas unruhige Nacht stand mir bevor.

2 Tage später standen die „Eindringlinge“ von den Neckarwiesen vor unserer Tür. Ich hatte an dem Tag schon gemerkt, dass etwas im „Busch“ ist. Mein Pflegefrauchen hat mir ein Brustgeschirr angezogen, dass ich schon länger nicht mehr an hatte. Es soll verhindern, dass ich mich herauswinde und davon renne. Aber eigentlich war das doch gar nicht mehr nötig? Die Zweibeiner haben sich noch kurz unterhalten und dann wurde ich in das Auto bugsiert. Ich bin bei der „Hundefreundin“ sofort im Fußraum abgetaucht und dachte was kommt denn jetzt schon wieder? Der Motor wurde gestartet, das sonore Geräusch hat mich irgendwie beruhigt und im Auto mitzufahren kannte ich auch. Im Fußraum sieht man ja nicht wirklich viel, also bin ich mit meiner Nase und dem Kopf ganz vorsichtig aufgetaucht. Das wurde sofort mit: „Ja hallo Feli“ kommentiert und ich wurde ganz vorsichtig am Hals gekrault. Zuerst wollte ich wieder abtauchen, aber es war gar nicht so unangenehm und zudem wollte ich wissen was da abgeht und wo es hin geht. Meine Neugier hat in dem Moment die Angst tatsächlich besiegt!

Die Fahrt war sehr kurz und wir sind dann an einem Parkplatz wieder ausgestiegen. Das Ereignis wurde sofort mit einem Leckerli belohnt. Der Flokati-Teppich war natürlich auch am Start, obwohl es für ihn/sie ja wohl nichts besonderes war. Es fiel auch immer wieder der Name Nelli und ich dachte schon, ja wissen die denn nicht wie ich heiße? Dann wurde mir aber klar, dass das der Name von dem Flokati-Teppich war. Ist ja auch ein schöner Name und klingt fast wie meiner. Wir sind dann los marschiert, wobei Nelli mit ihrer Gefriertütenpfote eher unsicher und alles andere als geräuschlos dahin tappte. Mit der Tüte sollte wohl der Verband, den sie immer noch an der Pfote hatte, etwas geschützt werden. Das war aber nach kurzer Zeit schon misslungen. Bei den Rutschpartien zerfetzte die Tüte und ohne war sie dann auch etwas sicherer unterwegs. Mir hat der Schnee und das Eis auf dem Weg nichts ausgemacht. Ich habe nur mein Rudel vermisst. Aber so oft ich mich umschaute, keiner meiner Kumpel war da! Die Hundefreundin, deren Name ich jetzt auch mitbekommen habe, hat mich aber immer wieder aufgemuntert. Andrea sagte immer wieder: „Komm Feli, ja fein“ und ab und zu gab es dann auch ein Leckerli. Der große Zweibeiner, er heißt Helmut, hat sich vor allem mit Nelli beschäftigt und den Verband bei ihr immer wieder zurechtgerückt. Ich habe genau bemerkt wie er uns beobachtet hat, aber er hat schön Abstand gehalten, was mir ziemlich entgegen gekommen ist, weil ich mit einem der neuen Zweibeiner schon genügend beschäftigt war. Wir sind dann bei der Rohrauer-Hütte angekommen und in den Gastraum gegangen. Ich bin sofort unter dem Tisch verschwunden und habe mich möglichst unsichtbar gemacht. Bei Nelli war das eher umgekehrt, sie hat sich mitten in den Weg gelegt und so groß wie möglich ausgebreitet. Man kann es ja auch übertreiben! Trotzdem bin ich beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie sich bei den anderen Zweibeinern verhält und dass die eigentlich ganz ruhig bleiben. Helmut hat sie dann etwas auf die Seite geschoben, vielleicht kommt daher auch die Ähnlichkeit zu einem Flokati-Teppich?

Nach dem die Zweibeiner sich gestärkt hatten und wir auch ein paar Leckerli bekommen haben ging es zurück. Ich hab das natürlich sofort bemerkt, weil ich auf diesem Weg schon öfters mit meinem Rudel unterwegs war. Überhaupt wo waren die eigentlich? Eine Zeitlang hatte ich tatsächlich vergessen, dass ich ohne die alle unterwegs war. Deshalb habe ich auf dem Rückweg auch etwas Gas gegeben, damit ich auch wieder schnell nach Hause komme. Zuhause angekommen war die Freude bei allen riesengroß. Ich, weil ich wieder in gewohnter Umgebung war. Mein Rudel, weil ich wieder zurück war und die Zweibeiner, weil alles gut gegangen ist. Für uns Hunde gab es endlich was zu essen und die Zweibeiner haben sich an den Tisch gesetzt, unterhalten und aus komischen Näpfen geschlürft. Sie unterhielten sich über mich, aber immer wieder fiel ein weiterer Name, den ich noch nicht kannte. Wer war denn Ziwa? Als von ihr gesprochen wurde, wechselten die Stimmen von Begeisterung bis Traurigkeit. Es dauerte eine Weile bis ich begriffen hatte, dass es sich um ein Mitglied aus dem Rudel von Nelli handelte. Sie war sehr krank und ist erst vor kurzem über die Regenbogenbrücke gewandert. Deshalb war das Rudel auch nicht mehr komplett und jeder vermisste sie schmerzlich. Aber warum waren die jetzt bei uns? Sie waren nicht auf der Suche nach einem Ersatz! Nein, das ginge auch gar nicht, weil ja jeder von uns einzigartig ist! Aber gerne würden sie das Rudel wieder komplettieren und einem Hund einen festen, schönen Platz im Rudel anbieten.  Sollte ich etwa diejenige sein? Ich verzog mich an meinem Lieblingsplatz im Hundekorb, direkt hinter meinem Kumpel. Eine weitere unruhige Nacht stand bevor.

Am nächsten Tag waren die schon wieder da! Wird das jetzt zur Regelmäßigkeit? Gleiches Prozedere, Hundegeschirr anziehen, ohne das Rudel das Haus verlassen und in das Auto einsteigen. Diesmal bin schon schneller aus dem Fußraum aufgetaucht, so ganz unbekannt war mir die Situation ja nicht. Wir sind wieder den gleichen Weg gegangen, Nelli war diesmal besser drauf und ich bin auch etwas näher bei Andrea gelaufen. Nelli ist immer wieder zwischen uns gelaufen, mal vorne, mal hinten, mal hier mal dort, mal geschnüffelt mal markiert und das Ganze mit der Gelassenheit eines Faultieres. Wenn uns jemand entgegenkommen ist, sind bei mir die Alarmglocken angegangen, während Nelli wie ein Eisbrecher mitten durchging. Vielleicht kann ich von ihr doch noch was lernen, zumindest werde ich das weiter beobachten. Im Gasthaus sind wir wieder eingekehrt, eigentlich alles wie am Vortag und diese Regelmäßigkeit gefällt mir schon. Die Ruhe mit der das alles abläuft und vor allem die Unaufdringlichkeit helfen mir Vertrauen zu fassen. Auf dem Rückweg wurde es schon dunkel, aber ich kannte ja den Weg und zu dem habe ich eine super Nase! Nelli war die letzten Meter wieder ziemlich geplättet. Konditionell ist da noch Luft nach oben, aber man darf auch nicht vergessen, dass sie schon eine ältere Hundedame und die Pfote noch nicht verheilt ist. Während ich neugierig und etwas aufgeregt die Autofahrt aus dem Fußraum erlebte, kam von hinten ein gleichmäßiges Geräusch und das kam nicht vom Motor. Nelli war bereits eingeschlafen und schnarchte vor sich hin! Als wir zu Hause angekommen sind, bin ich schnell ins Haus hinein und habe das Rudel begrüßt. Die Zweibeiner haben sich vor dem Haus wieder unterhalten und  als mein Pflegefrauchen Iris hereinkam, habe ich etwas feuchte Augen bei ihr bemerkt. Trauer, Freude, keine Ahnung, es war doch alle in Ordnung? Nelli und ihr Rudel sind dann weggefahren, ich bin mal gespannt wann die wieder kommen?

Zwei Tage später hat uns Iris wieder alle in das Auto verladen und wir sind weggefahren. Eigentlich war alles wie immer, doch beim Aussteigen aus dem Auto haben wir Nelli und ihr Rudel entdeckt. Wir haben uns über die gar nicht mehr so aufgeregt, wir kannten sie ja schon ein bisschen. Der Spaziergang hat uns allen Spaß gemacht und Iris hat sich mit Andrea lange unterhalten. Sie haben wieder über mich gesprochen, was es da wohl so wichtiges gibt?

Als wir wieder zu Hause waren haben sich die Zweibeiner an den Tisch gesetzt und aus den komischen Näpfen geschlürft. Das Reden von denen war so einschläfernd, dass nach kurzer Zeit alle anwesenden Vierbeiner eingeschlafen waren. Hatte ich jetzt meinen Namen gehört oder hatte ich geträumt? Nein, Iris hat mich gerufen und ihre Stimme klang irgendwie anders. Sie hat mir das Brustgeschirr angezogen und ich habe sie fragend angeschaut. Gehen wir jetzt nochmal Gassi? Wir sind dann raus gegangen, die Zweibeiner haben sich alle in die Arme genommen und es sind auch einige Tränen geflossen. So langsam wurde mir klar, dass gerade etwas besonderes passierte. Ich bin dann in das Auto eingestiegen, den Fußraum kannte ich ja schon und dann ging die Fahrt los.

Andrea und Helmut haben unterwegs ganz ruhig mit mir gesprochen und ich wurde dann auch müde und habe meine Kopf auf den Sitz gelegt und etwas vor mich hin gedöst. Nach einer Stunde waren wir angekommen. Wir sind ausgestiegen und in ein Haus gegangen. „Feli, das ist dein neues Zuhause, schau dich ruhig um“ hört ich. Ich war super aufgeregt und bin zuerst mal durch die ganze Wohnung getigert. Alle roch neu, war fremd, etwas unheimlich aber zum Glück war Nelli dabei und ich habe mich mal an ihr orientiert. Sie musste sich hier ja auskennen!

Für mich war ein Korb mit einem weichen Kissen und ein Napf bereitgestellt. Es gab dann etwas zu fressen und wir sind dann später auch noch Gassi gegangen. Außer Nelli waren alle aufgeregt, ich wohl am meisten. Vielleicht war ich später auch so erschöpft, aber in meinem neuen Korb habe ich dann ganz gut geschlafen. Die erste Nacht war vorüber und zum ersten Mal wurde mir klar, dass das der Beginn eines neuen Lebens war. Ich vermisse nach wie vor mein „altes“ Rudel und Iris, aber meine neue Familie nimmt sehr viel Rücksicht auf mich und die Anwesenheit von Nelli hilft mir.

In den darauf folgenden Tagen habe ich nach und nach die restlichen Mitglieder meiner neuen Familie kennengelernt. Man muss zugeben, dass alle sehr viel Hundeverständnis haben und mich nicht bedrängen. Tagsüber bin ich mit Andrea und Nelli alleine zu Hause. Es ist herrlich ruhig und ich kann alles in aller Ruhe beobachten. Wir gehen Gassi, ich kann meine neue Umgebung er schnüffeln und habe auch schon ein paar neue Hundekollegen kennengelernt. Streicheleinheiten bekomme ich genügend und wenn ich nicht mehr will, dann lege ich mich in meinen Korb und gut ist. Manchmal ist mein Korb auch von Nelli belegt oder besser gesagt vollständig ausgefüllt. Dann kann ich aber auf ihrer große Matratze liegen oder ich habe auch schon die Couch entdeckt, von der man eine herrlichen Ausblick hat.

Ich mag es manchmal gar nicht glauben, aber vielleicht bin ich jetzt wirklich dort angekommen, wo ich hingehöre!

… und später geht es weiter…