Ferien mit oder ohne Hund?


Sommer, Sonne, Sonnenschein – mit Hund oder doch allein?

Endlich Ferien! Ferienzeit ist immer auch Reisezeit. Während manch einer den Vierbeiner in einer Hundepension oder bei Verwandten läßt, gibt es viele Hundebesitzer für die eine Reise ohne Fellnase undenkbar ist. Dabei gilt es manches zu beachten. Tierarzt Charles Trolliet gibt Auskunft.

 

Ferien mit oder ohne Vierbeiner?

Charles Trolliet, würden Sie ihr Tier in die Ferien mitnehmen?

„Das hängt ganz vom Reiseziel, von der Reisedauer, von der Ferienumgebung – und natürlich vom Tier selbst ab! Hunde schliessen sich sehr eng an eine Familie an und können deshalb auch leichter mit in die Ferien genommen werden. Katzen sind dagegen viel mehr an ihre gewohnte Umgebung gebunden und haben entsprechend mehr Mühe, sich an eine neuen Umgebung zu gewöhnen. Man lässt sie also besser zuhause und sorgt dafür, dass sie dort gut betreut werden – ausser Sie reisen an einen Ort, mit dem die Katze vertraut ist.“

Verursachen lange Reisezeiten den Tieren keine Probleme ?

„Es versteht sich von selbst: Je länger die Reisezeiten und je unvertrauter die Ferienumgebung für das Tier ist, desto eher lasse ich es zuhause. Wenn Sie schon Mühe haben, mit dem Tier die 10-minütige Strecke zum Tierarzt zu bewältigen, dann können sie sich seinen Stress auf einer 6- oder 7-stündigen Fahrt vorstellen! Und für Flugreisen müssen Sie sich im Voraus bei der Fluggesellschaft nach den Reisebedingungen für ihr Tier erkundigen.“

Woran ist in Bezug auf das Reiseziel zu denken?

„Zuerst sollten Sie sich erkundigen, ob an ihrer Feriendestination Heimtiere erlaubt sind. Fragen Sie sich auch, ob Ihre Ferien dem Tier zuträglich sind. Wenn Sie planen, täglich 15 Stunden am Meer zu liegen, sind das sicher nicht die idealen Ferien für Ihren Hund. Wahrscheinlich ist er am Strand nicht einmal zugelassen – auf jeden Fall wird er in seinem Bewegungsspielraum sehr eingeschränkt sein. Wenn Sie dagegen aktivere Ferien planen – etwa Wanderferien in den Bergen, wird Ihr Hund sie mit Vergnügen begleiten. Einige Hotels verlangen allerdings einen Aufpreis für mitgebrachte Heimtiere: Erkundigen Sie sich rechtzeitig!“

 

Mit dem Tier unterwegs

Woran ist während der Reise zu denken?

„An Wasser, Pausen, Bewegungsmöglichkeiten und angenehme Temperaturen! Achtung beim Transport von Tieren im hinteren Teil des Autos: Auch wenn der Wagen klimatisiert ist, sind die Temperaturen dort oft höher als im vorderen Teil, wo wir Menschen sitzen. Seien Sie wachsam ! Ihr Tier muss genügend trinken – und es ist nicht immer einfach, ein Tiere im Reisestress zum Trinken zu bewegen. Machen Sie genügend Pausen, damit das Tier die Beine bewegen und seine Bedürfnisse erledigen kann. Sogar wenn Sie im Zug reisen, können sie immer einen späteren Anschluss nehmen, um Ihrem Tier etwas Auslauf zu gönnen.“

Kann man einem stark gestressten Tier für die Reise Beruhigungsmittel geben?

„Im Prinzip ist der Einsatz von Beruhigungsmitteln nicht nötig. Diese Mittel haben auch Nebenwirkungen, die manchmal lästig sein können (eine gewisse Muskelschwäche, geringere Lust zu trinken, wegen des erniedrigten Blutdrucks). Für sehr ängstliche Tiere sind beruhigende Pheromone eine Möglichkeit. Tiere können aber auch reisekrank werden. In diesem Fall soll man sie vor den Ferien langsam an längere Fahrten gewöhnen und kann Ihnen auch ein Reisemittel gegen die Übelkeit geben. In solchen Situationen ist der Rat und die Verschreibung eines Tierarztes oder einer Tierärztin unentbehrlich.“

Aber die Katze kann auf meinen Knien dösen?

„Sicher nicht! Die Tiere sollen von Ihnen getrennt transportiert werden – zur Sicherheit für beide Teile! Ich empfehle daher nachdrücklich, das Tier in einem Korb oder einer speziellen Box unterzubringen (je nach Grösse des Tieres). Denken Sie daran, dass bei einem Unfall ein Tier heftig nach vorne geschleudert werden kann – mit verheerenden Folgen für Sie und für das Tier! In öffentlichen Verkehrsmitteln ist es besser, kleine Hunde und Katzen in einem Korb unterzubringen statt an der Leine. Grössere Hunde müssen selbstverständlich so gut erzogen sein, dass sie den anderen Reisenden nicht lästig fallen.“

 

Keine Krankheiten aus den Ferien mitbringen!

Welche Krankheit, die ein Tier von den Ferien heimbrachte, ist Ihnen am lebhaftesten in Erinnerung?

„Da war ein Fall von Piroplasmose bei einem jungen Hund. Die Besitzer hatten zwar daran gedacht, das Tier vor einer Frankreichreise gegen Tollwut zu impfen; aber im Département Drôme, wo sie ihre Ferien verbrachten, gab es Mengen von infizierten Zecken. Sie hielten sich dort nicht lange auf, aber einige Tage nach der Rückkehr bekam der Hund starkes Fieber und zeigte grosse Müdigkeit. Glücklicherweise dachten die Besitzer daran, mir von ihren Ferien zu erzählen – das erleichterte die Diagnose. Der Hund war jung und ansonsten bei bester Gesundheit. So gelang es durch eine sofortige und entschlossene Behandlung, ihn zu retten. Dennoch fürchteten die Besitzer – und ich selbst – drei Tage lang um sein Leben.“

Gibt es Reiseziele, die für die Tiergesundheit grössere Risiken bergen als andere?

„Da gilt es natürlich, an die urbane Tollwut zu denken: Es ist wichtig, dass die Impfungen erneuert und wirksam sind!. Prüfen Sie die Gültigkeitsdauer der Impfung gut und lassen Sie rechtzeitig eine Auffrischungsimpfung machen. Im übrigen kommen mir da noch die Parasitenkrankheiten in den Sinn, die vor allem für warme Gegenden wie etwa die Mittelmeerregion typisch sind.“

Wie kann man sich gegen diese Parasitenkrankheiten schützen?

„Es handelt sich um Krankheiten, die durch Gliedertiere wie Zecken, Mücken oder Fliegen übertragen werden. Es gilt deshalb vor allem, eine Infektion zu vermeiden und das Tier gegen diese krankheitsübertragenden Plagegeister zu schützen. Es gibt heute zur Abwehr von Zecken und Insekten sehr wirksame Halsbänder – oder sogenannte „spot-on“, die am Körper der Tiere angebracht werden können. Am Ferienort sollten Sie zudem darauf achten, Ihr Tier nicht zu kritischen Zeiten – etwa in der Dämmerung – zu exponieren. Es ist auch sicher die Mühe wert, das Tier täglich nach Zecken abzusuchen und diese zu entfernen. Beachten Sie, dass die Verbreitungsgebiete dieser Krankheiten mit den Jahren ändert. Es ist deshalb sinnvoll, soch von Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierärztin vor Reiseantritt beraten zu lassen. Er oder Sie kann sagen, in welchen Gebieten und bei welcher Art Ferien Gefahren für Ihr Tier lauern.“

Gibt es Impfstoffe?

„Je nach Feriendestination und Art der Ferien, lässt sich tatsächlich manchmal ein Imfpstoff empfehlen, um sich gegen die Babesiose zu rüsten. Aber auch hier gilt es, den konkreten Einzelfall mit dem Tierarzt zu besprechen.“

Kann man auch nach der Rückkehr von den Ferien noch etwas tun?

„Nach der Rückkehr ist es sicher gut, das Tier zu entwurmen und eventuell eine parasitologische Kontrolle beim Tierarzt machen zu lassen.“

Welche Symptomen, die nach einer Reise auftreten, sollten für die Besitzer Warnzeichen sein?

„Jede Veränderung im Verhalten des Tieres sollte beachtet werden – besonders nach einer Ferienreise. Zu denken wäre etwa an abnormale Müdigkeit, Appetitverlust, Fieber oder Verdauungsstörungen. Bei Tieren mit Piroplasmose verfärbt sich oft der Urin rot oder braun. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine schnelle Kontrolle beim Tierarzt oder der Tierärztin; dabei sollte man nicht vergessen zu erwähnen, dass man mit dem Tier in den Ferien war.“

Warum birgt das Mittelmeergebiet für Tiere Risiken, für uns Menschen aber weniger? Oder sind einige dieser Tierkrankheiten auch auf den Menschen übertragbar?

„In diesen Regionen ist das Klima für Krankheitsüberträger (Zecken und blutsaugende Insekten) besonders günstig. Zwar sind die Piroplasmose und die Dirofilariose (Herzwurm) nicht auf den Menschen übertragbar, wohl aber die Leishmaniose! Ein wirksamer Mückenschutz ist deshalb sowohl Tiere wie auch für Menschen ratsam.“

© BLV – Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen