Der Phönix aus der Asche


Trennungen sind schmerzhaft. Aber jemanden zu verlieren, der dich weder schätzt noch respektiert, ist kein Verlust, sondern eine Bereicherung.

Seit vielen Jahren engagiert sich eine unermüdliche Truppe ehrenamtlicher Helden für die Strassenhunde Osteuropas. 365 Tage im Jahre wird organisiert, geplant, geschrieben, telefoniert, gereist, geschleppt, gebaut, gelacht, geweint, geholfen, vermittelt, unterstützt und zusammengearbeitet. Auch das familiäre Umfeld wird eingebunden und hilft, wenn Not am Mann ist. Im Laufe der Jahre haben sich Netzwerke gebildet, man hat Gleichgesinnte getroffen, Pflegestellen kennengelernt und, so dachten wir, zuverlässige, ehrliche und professionelle Partner vor Ort gefunden. Selbstverständlich lief nicht immer alles rund, es galt Missverständnisse auszudiskutieren, eine gemeinsame Marschrichtung zu definieren, Finanzielles zu verhandeln und eine Haufen Charakterköpfe unter einen Hut zu bekommen. Zum Wohle unserer Fellnasen haben wir uns immer zusammengerauft und nach vorne geblickt.

Es ist wichtig einander Vertrauen zu können, denn nicht nur arbeiten wir alle ehrenamtlich, nein, der Verein hat auch eine Verpflichtung gegenüber seinen Mitgliedern, Unterstützern, Paten und Spendern. 1000 Dinge muss man tun, um das Vertrauen eines Menschen zu gewinnen, aber nur einen Fehler, um es wieder zu verlieren.

Um so schmerzhafter und ärgerlicher waren die Ereignisse der letzten Monate für das Paradies für Tiere. Sowohl die Vereinsvorsitzende Iris Tzamalidis, als auch das Kernteam traf es wie ein Blitzschlag, als vor drei Monaten zwei langjährige Begleiter, Tierschützerinnen und vertraute Menschen in einer Nacht und Nebelaktion ihre Ämter niederlegten zu einem anderen Verein übertraten. Im Zuge dessen wurden unsere Stationen „Tordas Zoo“ in Ungarn und das Tierheim in Kezmarok/Slowkei vom anderen Verein mit übernommen, d.h. es wurde von Seiten der Stationen mit unmittelbarer Wirkung die Zusammenarbeit beendet. Erst später wurde uns klar, dass dieser Ausstieg von langer Hand geplant war.

Besonders bitter ist die Erkenntnis, dass sich Menschen, mit denen man jahrelang vertrauensvoll zusammengearbeitet hat, wegen Unstimmigkeiten was die Gesundheit der Hunde anbelangt, nicht einmal mehr bereit sind mit uns zu kommunizieren. Uns bleibt nur der Trost, dass die von uns in dieser Zeit gespendeten Sachwerte in Form eines neuen Stalldaches (2016 in Tordaszoo)und eines Autos (Tierheim Kezmarok im Juli 2017), den Hunden zugutekommen.

Bei einer Scheidung kommt es immer wieder vor, das eine Partei meint nachtreten und Unwahrheiten verbreitet zu müssen. An dieser Stelle möchte das Paradies für Tiere klarstellen, dass zu keinem Zeitpunkt Patengelder unterschlagen oder offene Rechnungen nicht beglichen worden sind. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die uns anvertrauten Spenden und Patengelder kommen immer zweckgebunden den Hunden zugute. Und wenn es irgendwo brennt, spenden wir aus eigener Tasche dazu.

Der Phönix ist ein mythischer Vogel, der am Ende seines Lebenszyklus verbrennt oder stirbt, um aus dem verwesenden Leib oder aus seiner Asche wieder neu zu erstehen. Durch ein Tal der Tränen gehen, aufstehen, Lebensmut wiederfinden und weitergehen, so leben es uns die Vierbeiner vor und nur so kann Neues entstehen. In diesem Sinne haben wir uns entschieden den Verein wieder auf zu bauen. Es blutet uns das Herz, dass unsere Schützlinge aus Kunhegyes gestohlen wurden und wir nicht wissen wo sie sind. Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer ist geschrumpft, ebenso die Vereinskasse, und wertvolles Spendengut ist abhanden gekommen. Aber was wir zunächst verloren glauben, wird wieder in neuem Glanz erscheinen, da sind wir uns ganz sicher.

Mark Twain hat einmal gesagt: „Die Definition des Wahnsinns ist, immer dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.“ Wir haben verstanden. Selber machen, das ist die Zukunft des Vereins. Anstatt anderen Eure Spendengelder anzuvertrauen, fremde Dächer zu richten und Futterspenden zu verschenken, wird das Paradies für Tiere eine eigene Station aufbauen.

Gerade in den dunkelsten Stunden, brennen die Lichter der helfenden Geister besonders hell. Selina, unsere Hundeflüsterin, hat sich heute frohen Mutes auf den Weg nach Ungarn gemacht. Dort wird sie bei befreundeten Tierschützern unentgeltlich wohnen dürfen. Ein anonymer Spender hat dem Verein ein grosses Grundstück mit einem Hof zur Verfügung gestellt. Selina wird regelmässig Hunde aus der Tötung retten, Streuner aufsammeln und Kettenhunde befreien. Sie spendet uns ihre Zeit und ihr Können im Rahmen eines Sozialem Praktikumsjahres.

Die Vermittlung eines Streuners nach Deutschland wird erst dann erfolgen, wenn der Hund bei Selina sozialisiert wurde, eventuelle Krankheiten ausbehandelt werden konnten und er Leinenführigkeit und das Zusammenleben mit Menschen in einem Haus erlernen konnte. Nur so erkennen wir zuverlässig den Charakter eines Tieres, welche Stärken und Schwächen, und vor allem auch, welche Bedürfnisse diese Fellnase hat.

In der Nachbargemeinde gibt es einen jungen, engagierten Bürgermeister, der uns Anfang nächsten Jahres treffen möchte. Vielleicht wird er den Schritt wagen und mit dem Paradies für Tiere den Kampf gegen die staatlich organisierte Hundetötung aufnehmen. Denn das muss unser eigentliches Ziel sein: Ursachen bekämpfen, anstatt Symptome zu behandeln.

Wenn ihr uns bei diesem aufregenden Unterfangen unterstützen wollt, freuen wir uns über Spenden mit dem Verwendungszweck „Wir helfen vor Ort“. Selinas Verpflegung, Reisekosten und ein kleines Taschengeld belaufen sich auf 500€ im Monat und sollen idealerweise von diesen Spenden gedeckt werden. Selbstverständlich sind wir ebenso dankbar über Zuwendungen für „Tierarztkosten“ oder Sachspenden, die man beim Tierschutzshop oder von unserer Amazon Wunschliste bestellen kann.

Einen Hund haben, heisst vom Meister lernen. Der Buddha auf vier Pfoten lehrt uns, nicht der Vergangenheit nachzulaufen und sich nicht in der Zukunft zu verlieren. Denn die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt. Packen wir’s an!

Ein dickes Wuff vom

Team des Paradies für Tiere e.V.